Salzburger Festspiele 2020

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Die Salzburger Festspiele sind in vollem Gange...

...und unser Liveblog vom Eröffnungswochenende ist hiermit beendet. Die Klassik-Welt trotzt in Salzburg der Corona-Pandemie mit Masken, Abstand und vielen leeren Sitzplätzen. Wir hoffen, dass alles gut geht und wünschen Ihnen noch einen schönen Festspielsommer! Wer nicht nach Salzburg kommt, sei noch einmal an die Aufzeichnung der umjubelten "Cosi fan tutte"-Aufführung erinnert, die weiter unten verlinkt ist. Zum Abschluss des Blogs noch einige Bilder aus den vergangenen Tagen.
"Jedermann"    Bild: APA/Gindl
Bundespräsident Van der Bellen mit Mund-Nasen-Schutz 
Bundespräsident Van der Bellen mit Mund-Nasen-Schutz    Bild: APA/Gindl
Sicherheitsabstand dank leerer Sitzplätze im Publikum
Sicherheitsabstand dank leerer Sitzplätze im Publikum   Bild: APA/Gindl
Gesperrter Sitzplatz
Gesperrter Sitzplatz   Bild: APA/Gindl
"Cosi fan tutte"   Bild: APA/Gindl
Festspielpräsidentin Rabl-Stadler und Landeshauptmann Haslauer mit Ehefrau
Festspielpräsidentin Rabl-Stadler und Landeshauptmann Haslauer mit Ehefrau   Bild: APA/Gindl
"Zdenek Adamec"    Bild: APA/Gindl
Peter Handke mit Lesestoff
Peter Handke mit Lesestoff   Bild: APA/Neumayr
"Elektra"   Bild: APA/Gindl
"Elektra" auf der Außenleinwand   Bild: APA/Gindl
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Igor Levit begeistert beim Auftakt zu seinem Beethoven-Zyklus

Großen Applaus und Bravo-Rufe gab es für Igor Levit zum Auftakt seines Beethoven-Zyklus‘. „Es ist eine unglaubliche Freude und ich bin nach Monaten des Bittens so dankbar hier in Salzburg spielen zu können“, dankte Levit vor der Zugabe. Die wurde zur spontanen Uraufführung des Werkes „Trees“ des Jazzpianisten Fred Hersch, der es für Levit in den vergangenen ruhigen Monaten komponierte.
APA/Schütz
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Kritik: Freundlicher Applaus für Handke-Uraufführung "Zdenek Adamec"

Mit rund fünfminütigem freundlichen Applaus ist im Salzburger Landestheater das wichtigste Schauspielprojekt dieser verschlankten Jubiläumsedition der Salzburger Festspiele zu Ende gegangen. Auch der Dichter Peter Handke selbst zeigte sich nach der Uraufführung von "Zdenek Adamec - Eine Szene" auf der Bühne, herzte alle Mitwirkenden und winkte beim Abgehen ins Publikum.

Friederike Heller hatte das Stück, das den Fall eines 18-Jährigen verhandelt, der sich 2003 auf dem Prager Wenzelsplatz verbrannte, so inszeniert, wie es einmal im Stück angesprochen wird, und wie auch die Festspiele auf Bannern für die Aufführung werben: "Keine Interpretation, so war's doch ausgemacht für unser Spiel, oder? Ja, so war es abgemacht." Das hat einen mitunter recht langatmigen fast zweistündigen Abend zur Folge, der trotz einer Liveband wenig Drive hat.

Bild: APA/Gindl
Handke hat keinen bestimmten Ort und keine bestimmten Personen für seine Textblöcke vorgegeben, die immer wieder biografische Details des jungen Mannes verhandeln und von dort in zahlreichen Geschichten um viele andere Fragen kreisen. Heller hat den Text auf ein siebenköpfiges Ensemble - darunter Christian Friedel und Handkes Gattin Sophie Semin - aufgeteilt, Bühnenbildnerin Sabine Kohlstedt einen Kunstort dafür erfunden, der mit einem aus geschweißten Metallstangen gebildeten Gewölbe am ehesten jener im Text einmal angesprochenen leeren Säulenhalle, die ansonsten als Markthalle genutzt wird, entspricht.

Warum diese Menschen hier zusammengekommen sind, erschließt sich nicht. Statt das von Handke geforderte Fest zu feiern, wenden sie sich immer wieder frontal ans Publikum, was manchmal belehrende Züge bekommt. Nur gelegentlich gewinnen die Szenen und Geschichten kurz ein Eigenleben, etwa, wenn Andre Kaczmarczyk Komödiantik ins Spiel bringt.
Bild: APA/Gindl
Proteste gab es keine. Weder gegen das Stück, noch gegen Handkes politische Haltung. Die erwarteten "Mütter von Srebrenica" waren vor der Premiere nicht zu sehen. Und die anwesenden Polizisten konnten sich auf den Schutz des Bundespräsidenten konzentrieren, der in Begleitung seiner Frau und des Salzburger Landeshauptmanns gekommen war.
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Herzlicher Applaus am Ende der “Zdenek Adamec”-Uraufführung

Für die Schauspieler, die Musiker, das Regieteam und auch für Peter Handke.
Bild: APA/Huber-Lang
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Auch der Dichter kam auf die Bühne

Peter Handke herzte jeden einzelnen Mitwirkenden und winkte dem Publikum zum Abschied
APA/Huber-Lang
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Schlussapplaus im Landestheater nach knapp zwei Stunden

APA/Huber-Lang
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Soeben ist die Premiere des Handke-Stücks "Zdenek Adamec" zu Ende gegangen

Bild: APA/Huber-Lang
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Urlaub von den Festspielen

Die 29-jährige Sopranistin Elsa Dreisig hatte in der Rolle der Fiordiligi großen Anteil am Erfolg der heutigen "Cosi fan tutte"-Premiere. Die Probenarbeit hat sich gelohnt. Zwischendurch gab es aber auch Entspannung, wie bei diesem auf Instagram dokumentierten Ausflug an den Fuschlsee.
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Kritik zu "Cosi fan tutte": Maximaler Erfolg mit Minimalismus

Maximaler Erfolg mit maximalem Minimalismus: Nach dem guten Erfolg der "Elektra" tags zuvor ist den Salzburger Festspielen mit der zweiten Oper der Ausgabe 2020, der coronabedingt gekürzten "Cosi fan tutte", nun der Paukenschlag geglückt. Am Ende stand im Festspielhaus ein umjubelter Triumph für alle Beteiligten - auf, hinter und vor der Bühne.
Bild: APA/Gindl
Radikaler kann man eine szenische Inszenierung wohl nicht auf das Wesentliche eindampfen, als es Regisseur Christof Loy und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker getan haben: Eine weiße Wand mit zwei weißen Türen hinter geweißelter Bühne ohne jegliches Requisit bildet das Passepartout für diesen außergewöhnlichen Abend.
Bild: APA/Gindl
Der weiße Nicht-Raum bietet ein beinahe klinisches Ambiente für die berühmte Versuchsanordnung, die Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte mit der "Cosi" entworfen haben: Die Treueprobe zweier Liebhaber an ihren Geliebten. Die einzige Farbe, die hier ins Spiel kommt, sind kurzzeitig die Verkleidungen der beiden Liebhaber, wobei Loy dankenswerterweise auf große Türkenschnauzbärte und derlei Firlefanz verzichtet. Und ein einziges Mal öffnet sich das endlose Weiß und gibt für wenige Momente den Blick auf eine mächtige Platane frei.

Dass diese radikale Reduzierung auf die Protagonisten funktioniert, liegt an einem erstaunlich charmanten Quartett, dem sich in diesem Falle vollends ebenbürtig das Buffopaar aus einer frech und nicht löwingerbühnisch agierenden Lea Desandre als Despina sowie Johannes Martin Kränzle als verschmitzt-diabolischer Don Alfonso beigesellt. Vor allem muss man aber kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass sich Salzburg mit dem derzeitigen Berliner Jungstar Elsa Dreisig einen neuen Festspielliebling angelacht hat. Die Franko-Dänin hat mit ihren noch nicht einmal 30 Jahren einen glasklaren und doch lyrisch abgerundeten Sopran, der sie praktisch zur archetypischen Fiordiligi macht.
Bild: APA/Gindl
Der mittlerweile stimmlich exzellent gereifte Andre Schuen bildet als Guglielmo mit ihr das Traumpaar. Marianne Crebassa ist da die etwas derbere Dorabella mit dem nasal-leichten Mozarttenor Bogdan Volkov als Ferrando an ihrer Seite - und somit das perfekte Gegenstück im komprimierten Paarreigen.

Schließlich lautete die Salzburger Vorgabe an Regisseur Loy und die junge Salzburg-Debütantin Joana Mallwitz als Dirigentin, eine um rund eine Dreiviertelstunde gekürzte Schnittfassung der "Cosi" zu erarbeiteten. Und die beiden lieferten. Primär wurden Rezitative geschnitten - und das funktioniert erstaunlich gut. Man fragt sich am Ende, wo die Dreiviertelstunde blieb, die man mit dieser Fassung "gewinnt".

Gewisse rezitative Längen werden hier schlicht modernen Sehgewohnheiten angepasst. Wie ein Film 1960 noch die einzelnen Bewegungselemente einer Sequenz in einzelne Schnitte auflöste - also etwa die Ankunft eines Wagens, das Öffnen der Tür, der Fuß, der aufs Pflaster steigt und so fort - ist das Publikum heutzutage weit schnellere Schnittfolgen gewöhnt, weiß vermeintliche Lücken in der Narration logisch zu füllen. Und bei Repertoireklassikern der Opernliteratur, deren Geschichte ohnedies bekannt ist, gilt dies umso mehr.
Bild: APA/Gindl
Die Erarbeitung dieser Strichfassung ist aber nicht der einzige Verdienst der Nürnberger Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz. Frappant ist es, sie zu beobachten, wie sie am Pult die Wiener Philharmoniker durch den Abend leitet. Der große Variantenreichtum der musikalischen Interpretation entspringt bei ihr bisweilen buchstäblich dem kleinen Finger, bisweilen aus dem gesamten Körper. Über die lyrischen, fein gesponnenen Strecken lenkt sie das Renommierorchester mit nichts weiter als einem eleganten Knick im Handgelenk, durch den die Linke gleich einer sich würdevoll durchs Wasser gleitenden Anakonda den Apparat führt. Dann wieder scheint sie das Orchester mit allem Schwung des Oberkörpers geradezu anzuschieben. Über weite Strecken führt sie die Musiker jedoch mit freudestrahlend aufrechter Haltung präzise schlagend, symmetrisch gezirkelt durch einen außergewöhnlichen Abend.
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Gezwitscher nach der Premiere von "Cosi fan tutte"

Diesem Opern-Fan haben es vor allem Dirigentin Joana Mallwitz und die Sängerinnen Elsa Dreisig, Lea Desandre und Marianna Crebassa angetan. Für das Ensemble gab es in Sozialen Medien noch mehr lobende Worte.
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