Europäisches Forum Alpbach: Technologiegespräche 2021

Dieser Liveblog wird mit Unterstützung des AIT Austrian Institute of Technology produziert, welches die Technologiegespräche gemeinsam mit dem ORF Radio Österreich 1 veranstaltet. Die redaktionelle Alleinverantwortung liegt bei APA-Science.
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Es herrscht Aufbruchstimmung - Auf Wiedersehen!

Die Alpbacher Technologiegespräche sind damit für heuer zu Ende. Wir würden uns freuen, Sie 2022 wieder begrüßen zu dürfen!
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Alpbacher Technologiegespräche beendet

Wolfgang Knoll, wissenschaftlicher Direktor des Austrian Instiute of Technology (AIT), beschließt die diesjährigen Alpbacher Technologiegespräche. Das Tagungsthema des Forums Alpbach, “DIe große Transformation”, sieht er vor allem in den großen Veränderungen manifestiert, die Klimawandel und Digitalisierung mit sich bringen.

Am Ende müssen wir uns selbst ändern.

Wolfgang Knoll, wissenschaftlicher Direktor des AIT

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Anstatt die Technologie intelligenter zu machen, sollte sie fürsorglicher werden.

Katta Spiel, Institut für Informatik der Technischen Universität Wien

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Künstliche Intelligenz oft voreingenommen

Katta Spiel von der Human-Computer-Interaction-Gruppe am Institut für Informatik der Technischen Universität Wien behandelte in ihrem Vortrag die politischen und gesellschaftlichen Fallstricke der Künstlichen Intelligenz. Bestehende Systeme sind nur so gut wie die darauf basierenden Daten. Und zu oft sind diese Systeme voreingenommen wie die Menschen dahinter.

Sie seien oft hauptsächlich an weißen, männlichen Personen orientiert und diskriminieren nach Rasse oder Geschlecht, so Spiel. Insofern sind der KI in Sachen “Intelligenz” noch klare Grenzen gesetzt, so die Forscherin.
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Warum sind Vögel so schlau wie Primaten?

Onur Güntürkün, Professor für Biopsychologie an der Ruhr-Universität Bochum, beschäftigt sich mit der Struktur und Funktionsweise des Gehirns von Tieren. Unter anderem stellte er sich die Frage, warum Vögel trotz ihres vergleichsweise winzigen Gehirns so schlau sind. Zum Vergleich: Das Gehirn eines Huhns wiegt ca. 2,7 Gramm, das eines Menschen 1300 Gramm.

Zahlreiche Versuche haben jedoch gezeigt, dass Raben und Papageien kognitiv auf gleicher Stufe mit Primaten sind. Das Geheimnis liegt unter anderem in einer völlig anderen Gehirnarchitektur begründet. Trotz eines um ein Vielfaches kleineren Hirngewichts haben Vögel eine viel höhere Dichte an Neuronen als Säugetiere.
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Hoffnung für Parkinson-Patienten

Johannes A. Frasnelli ist Professor am Center for Advanced Research in Sleep Medicine, Université du Québec à Trois-Rivières, Montréal. Er forscht an Möglichkeiten, die Parkinson-Krankheit zu erkennen, bevor sie sich mit Symptomen bemerkbar macht.

Praktisch alle Parkinson-Patienten leiden an Störungen des Geruchssinns. Mit Hilfe von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz (KI) kann er bei Personen mit olfaktorischer Dysfunktion zwischen Parkinson- und Nicht-Parkinson-Patienten unterscheiden. Damit hofft er, künftig, die Krankheit früher identifizieren zu können.
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Diskussion über "Natural Intelligence" eröffnet

Veronika Schöpf, Leiterin des Departments Natural Sciences and Engineering beim Wissenschaftsfonds (FWF), eröffnet die Diskussion.
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Ein bisschen Aktionismus darf im beschaulichen Bergdorf nicht fehlen.

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Falling Walls Lab Austria: Zweites Ticket für Finale in Berlin vergeben
Sebastian Vogler hat im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche mit seinem Projekt "Breaking the Wall of Regenerative Timber Sourcing" das zweite Österreich-Ticket für das Finale des internationalen Ideenwettbewerbs "Falling Walls Lab" in Berlin gewonnen. Vogler, der sich mit seinem Start-up "Beetle ForTech" für eine bessere Nachverfolgung von Holz-Lieferketten einsetzt, vertritt Österreich gemeinsam mit Daniela Inführ beim Finale am 7. November, wo insgesamt 100 Projekte gegeneinander antreten.
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Inführ, Absolventin des Studiengangs Biotechnische Verfahren der FH Wiener Neustadt, entwickelte ein Biohydrogel, das Pflanzen vor Trockenheit schützt und 40 Prozent des Bewässerungswassers sparen kann. Ihr Ticket hatte sie sich bereits im Juli für das Projekt "Breaking the Wall of Global Water Shortage" bei dem vom Austrian Institute of Technology (AIT) veranstalteten Wettbewerb "Falling Walls Lab Austria" gesichert.

Ein weiteres Ticket für die Falling Walls Konferenz in Berlin, genauer für den Bewerb "Falling Walls Venture", ging an Patrick Aspermair, der sich im Zuge der Alpbach Summer School on Entrepreneurship von Hermann Hauser gegen vier weitere Kandidaten durchsetzte. Aspermair ist Mitgründer des Start-ups BEAR technologies, das eine Technologie zur Analyse von flüchtigen Molekülen entwickelt hat. Mit Hilfe dieser künstlichen Nase sollen Gerüche in unterschiedlichsten Einsatzgebieten erschnüffelt werden, vom Umwelt- bis zum Sicherheitsbereich.
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Covid hat "Welt der Wahrscheinlichkeiten" offenbart
Die Covid-19-Krise mit ihren sich dynamisch entwickelnden wissenschaftlichen Erkenntnissen hat eine "Welt der Wahrscheinlichkeiten" offenbart, mit der die Bevölkerung und die Politik ihre liebe Not haben. Dass Experten das Bedürfnis nach Sicherheit nicht befriedigen konnten, sei logisch, so die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny bei den Alpbacher Technologiegesprächen. Um Politikberatung gut zu betreiben, brauche es daher klare Rollenverständnisse und gutes Datenmaterial.
credit: APA/AFP
Die Weltsichten von Politikern, Wissenschaftern und der restlichen Gesellschaft können mitunter weit auseinanderliegen, hieß es bei einer Diskussion am Donnerstagabend. Während Forscher es gewohnt sind, in einem Umfeld mit Unsicherheit und Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten, wollen die Politik und Laien oft klare Antworten. Die gebe die Welt mit ihren Unvorhersagbarkeiten aber oft einfach nicht her - besonders, wenn sich Dinge so schnell entwickeln, wie der Covid-19-Ausbruch, so die ehemalige Präsidentin des Europäischen Forschungsrats und Politikberaterin als Mitglied des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE).

Wie groß der Raum der Unsicherheiten trotz einer Informationsflut war, illustrierte Günter Mayr, Leiter der aktuellen Wissenschaft im ORF-Fernsehen: Immerhin gibt es bisher rund 80.000 wissenschaftliche Arbeiten, die alleine mit dem SARS-CoV-2-Virus zu tun haben. Viele Experten hatten Probleme mit all dieser Information. Dementsprechend erging es Wissenschaftsjournalisten, die Mayr in dem Gespräch über Politikberatung in einer Rolle zwischen Wissenschafter und Politiker verortete. Im Umgang mit der Vieldeutigkeit von Prognosen und Co müsse man schließlich auch dem Publikum mancherorts klar sagen: "Wir wissen es nicht."

Das musste auch die Leiterin des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien, Elisabeth Puchhammer-Stöckl. Die Politik musste erst verstehen, "dass wir mit neuen Daten arbeiten und auch nicht alle Papers lesen können". Die Situation war vor allem am Beginn "sehr herausfordernd", alles war "work in progress". Politiker mussten teils auch erst schrittweise wissenschaftliche Herangehensweisen verstehen. Dies war für die Entscheidungsträger eine "schwere Zeit, weil zu wenig Daten da waren".
Mit Fortdauer der Pandemie hätten Medienvertreter statt nach Informationen auch immer stärker Fragen nach Meinungen gefragt, so Puchhammer-Stöckl. Dies sollten Forscher jedoch möglichst gut auseinanderhalten, denn es gehe auch um Vertrauen in viele Richtungen.
credit: APA/Fohringer (Archiv)
Auch für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ist wissenschaftliche Beratung zum großen Teil Vertrauensbildung. Gelinge dies, "können beide Seiten einander gut ergänzen". Forscher sollten jedoch aufpassen, wenn sie selbst ein Stück weit als Politiker agieren: "Sie sind nicht gewählt" und können bei schlechten Entscheidungen auch nicht abgewählt werden, so der Minister.
credit: APA/Punz (Archiv)
Darauf, sich in Zuge von Covid-19 im medialen Rampenlicht wiederzufinden, waren Wissenschafter jedenfalls nicht vorbereitet, so die Epidemiologin Eva Schernhammer von der Meduni Wien und der Harvard Medical School (USA). Für James Wilsdon von der Universität Sheffield wurde die Wissenschaft in der Pandemie quasi vom "Provinztheater" in ein "ganz großes Hollywooddrama" katapultiert.

Der relativ geordnete wissenschaftliche Diskurs sei dafür jedenfalls kein gutes Training, sagte Schernhammer. Anreize, darüber hinaus mit einem Laienpublikum - wie auch Politikern - zu kommunizieren, gebe es in der Regel wenige. Als Forscher sei man daher gut beraten, auch dahin gehend nachzuspüren, welche Theorien zu einem Thema eigentlich dieses Publikum selbst hat und diese auch ernst zu nehmen, so die Wissenschafterin.
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